Krippen-Kinder in der DDR. Frühe Kindheitserfahrungen und ihre Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit

20. Februar 2010 | 0 Kommentare

Mit Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur kommen 6 Autoren zu Wort, die in einem Team 20 Frauen und Männer interviewten, welche bereits zwischen der 6. Woche und dem ersten Lebensjahr in einer DDR – Kinderkrippe betreut wurden. Sie waren zwischen 30 und 40 Jahre alt und hatten alle selbst Kinder, welche sie ebenfalls in einer Krippe unterbrachten. Es gab pro Proband ein bis zwei psychoanalytisch orientierte Interviews, durchgeführt in den Jahren 2004 und 2007. Sie werden zusammengefasst dargestellt und unter verschiedenen Aspekten reflektiert.

Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse wegen der geringen Zahl der Teilnehmenden nicht repräsentativ sein können. Interessant und bezeichnend sind sie aber auf jeden Fall.

Fast allen Interviewten hatten im Kleinkindalter chronische körperliche Erkrankungen, wobei die vor dem 6. Lebensmonat institutionell betreuten Kinder die höhere Krankheitsrate zeigten. Ab dem Vorschulalter traten dann zusätzlich oder ablösend psychosomatische und psychische Schwierigkeiten auf. Auch im Erwachsenenalter zeigten einige aktuelle körperliche, psychische und psychosomatische Beschwerden. » weiter … «

Erzbischof von Canterbury ermordet

29. Dezember 2009 | 0 Kommentare

29.12.1170: In der Kathedrale von Canterbury ermordeten vier britische Höflinge den Erzbischof von Canterbury, Thomas Becket. Becket war seit 1162 Erzbischof und verfocht unerbittlich kirchliche Rechte und päpstliche Interessen. 1164 kam es zum Bruch mit dem König, Heinrich II., nachdem dieser in der Konstitution von Clarendon die volle Schiedsgewalt über den Klerus beansprucht hatte. Becket floh nach Frankreich und konnte erst 1170 wieder nach Canterbury zurückkehren. Er ging jedoch weiterhin streng gegen königstreue Bischöfe vor, so daß dem König eine Äußerung entfuhr, die von vier Rittern als Mordauftrag verstanden wurde. Drei Jahre nach seiner Ermordung wurde er heilig gesprochen.

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Walter Brandmüller: Licht und Schatten – Die Wallfahrt

23. Dezember 2009 | 0 Kommentare

Die Vorstellung, der Mensch des Mittelalters sei so sehr der Scholle verhaftet gewesen, daß er sein Dorf, sein Kloster, seine Stadt kaum je verlassen und kaum Kenntnis von dem erhalten habe, was jenseits seines engen Horizonts lag, beruht auf Irrtum.

Davon abgesehen, daß Handel und Wandel auch im Mittelalter blühten, war es vor allem das Wallfahrtswesen, an dem sichtbar wird, welch hoher Grad an Mobilität in dieser Gesellschaft selbstverständlich war, eine Mobilität, die ihren Impuls aus der kirchlichen Frömmigkeit empfing. Es zog die Gläubigen von Anfang an nicht nur an die Orte des Lebens Jesu, sondern auch an die Gräber der Apostel und Heiligen, auf deren Fürsprache bei Gott sie hofften.

Außer dem Heiligen Land waren es die Gräber der Apostel Petrus und Paulus in Rom, das Jakobusgrab in Santiago de Compostela, schließlich die Heiligtümer des Erzengels Michael auf dem Monte Gargano in Apulien und dem Mont-Saint-Michel in der Normandie. Auch das Grab des hl. Thomas Beckett zu Canterbury war Ziel der europäischen Wallfahrt. Geoffrey Chaucer hat ihr mit seinen „Canterbury Tales“ ein literarisches Monument geschaffen.

Was aber bedeutete dies? Nicht mehr und nicht weniger, als daß tausende Gläubige, Männer wie Frauen, sich auf den Straßen Europas unterwegs zu diesen heiligen Orten befanden. Dabei verließen sie ihre Heimat, überschritten Grenzen, lernten fremde Länder und Völker kennen und kehrten – vom eigentlichen religiösen Gewinn der Wallfahrt einmal abgesehen – mit einer ihnen beim Aufbruch selbst nicht vorstellbaren Fülle von Eindrücken nach Hause zurück. Glauben wir zeitgenössischen Quellen, dann gab es auf diesen Pilgerstraßen immer wieder ein Gedränge, das an die Autobahnstaus unserer Gegenwart erinnert. Es gab für den zum Aufbruch entschlossenen Pilger nicht nur – im Spätmittelalter gedruckte – Reise- bzw. Pilgerhandbücher. Auf dem Weg selbst fand der Wallfahrer ein logistisch gut geplantes System von Pilgerherbergen, von Spitälern für erkrankte Pilger vor. Was für ein aus aller Herren Ländern zusammengewürfeltes frommes und unfrommes Volk sich da am Abend um das Herdfeuer drängte, welch ein Sprachengewirr – durchsetzt von lateinischen Worten – da zu hören war, ist nicht schwer vorzustellen: Auf den Pilgerwegen, an den Wallfahrtsorten traf sich die Christenheit, traf sich Europa, konnte europäisches Bewußtsein im Zeichen des Heiligen entstehen. Selbst so exzentrisch gelegene Wallfahrtsziele wie Santiago, am „finis terrae“ gelegen, oder Canterbury, jenseits des Kanals, wurden durch die Wallfahrt mit dem Zentrum des Kontinents verbunden. Die Wallfahrt war – und wird in unseren Tagen wieder –ein bedeutender Faktor für die geistige Integration Europas.

Die geistigen Grundlagen Europas

Nur holzschnittartig konnten jene Institutionen und Lebensformen – manches hätte hinzugefügt werden müssen – skizziert werden, die für mehr als ein Jahrtausend das Leben unseres Kontinents bestimmt haben, das bei aller Bruchstückhaftigkeit der Verwirklichung nicht anders denn großartig genannt werden mag. Dann und wann ist gesagt worden, daß alles Große in der Geschichte Europas auf jenen Grundlagen entstanden sei, die mit Jerusalem, Athen und Rom verbunden sind.

Dabei steht Jerusalem für das Wissen um das letztliche Bezogensein von Mensch und Welt auf den Schöpfergott, dem sie ihr Dasein verdanken und von dem ihre endgültige Vollendung erhofft wird.

Das Selbstverständnis des Menschen, der sich und seine Mitmenschen als Ebenbild Gottes, als Teil der Schöpfung und zugleich als ihr Gestalter und Verwalter, als Partner Gottes, als mit Freiheit begabte und zur Verantwortung vor Gott gerufene Person verstand, ebenso wie das Wissen darum, daß er sich auf dem Weg zum Ziel seiner ewigen Vollendung befindet, – all dies mußte das Lebensgefühl, das Verhältnis zu Mitmensch und Welt aufs Nachhaltigste prägen.

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In der DDR verweigern Ex-Soldaten den Dienst

2. November 2009 | 0 Kommentare

Berlin/DDR. Insgesamt 42 DDR-Bürger sind nach Angaben von unterrichteter Seite bisher in diesem Jahr mit dem erst am 1. Mai in Kraft getretenen neuen DDR-Wehrgesetz in Konflikt geraten, weil sie aus Gewissensgründen Einberufungen zu Reserve-Übungen der „Nationalen Volksarmee“ verweigerten. Einer von ihnen ist der 31jährige Diplomingenieur Harald Lucht, den ein Ost-Berliner Militärgericht am 20. August nach § 43 des Wehrgesetzes zu acht Monaten Haft verurteilte. Die geringe Zahl solcher Fälle von Wehrdienstverweigerung nach Ableistung des 18monatigen Grundwehrdienstes hat steigende Tendenz: Für 1981 waren nur 30 bekanntgeworden.

Die DDR ist das einzige Land im Warschauer Pakt, in dem es – seit 1964 – die Möglichkeit gibt, den Dienst mit der Waffe „aus religiösen oder ähnlichen Gründen“ abzulehnen. Für diese Wehrpflichtigen hat die DDR-Armee die „Baueinheiten“ geschaffen. Gewissensprüfungen gibt es nicht. Die Entscheidung zum waffenlosen Dienst muß jedoch frühzeitig bekanntgegeben werden und hat Nachteile beim Studium und im Beruf zur Folge. Die Zahl der jährlich zu den „Bausoldaten“ Einberufenen wird auf 500 bis 800 geschätzt. Wer bereits seinen Wehrdienst geleistet und dabei den Fahneneid abgelegt hat, kann bei Reserve-Übungen keine Gewissensgründe geltend machen und „Bausoldat“ werden. » weiter … «

SED will die Jugend disziplinieren – Kirchenproteste verhallten – Ab September: Wehrkunde an DDR-Schulen Pflichtfach

2. November 2009 | 0 Kommentare

Berlin/DDR. Der evangelische Pfarrer eines märkischen Dorfes, das noch heute Narben des Zweiten Weltkriegs trägt, lebt „seit Wochen in einem Gewissenskonflikt“. Er möchte in irgendeiner Form gegen den Wehrunterricht protestieren, der mit Beginn des neuen Schuljahres am 1. September für alle 15- und 16jährigen Jungen und Mädchen der allgemeinbildenden Schulen der DDR Pflicht wird. Er weiß jedoch nicht wie.

Ein Austritt aus der DDR-CDU, deren Mitglied er ist, würde die Aufgabe von Einflußmöglichkeiten bedeuten, obwohl ihm viele Freunde zu diesem Schritt raten („Damit die oben merken, daß wir nicht mehr alles hinnehmen“). Denn der Geistliche ist Abgeordneter im Bezirksparlament.

Dieses Beispiel beweist die Wirkungslosigkeit der Einwände der evangelischen – und katholischen – Kirche in der DDR gegen eine Maßnahme des Volksbildungsministeriums, die die „Wehrmotivation“ festigen und der Jugend „Grundelemente der militärischen Disziplin und Ordnung anerziehen“ soll. Von den Diskussionen auf den evangelischen Kirchentagen in Leipzig, Erfurt und Stralsund abgesehen, kam es – soweit bekannt – nirgends zwischen Ostsee und Thüringer Wald zu demonstrativem Aufbegehren.

Verbitterung über die neue Maßnahme der SED wurde nur im engsten Familienkreis laut. Viele Eltern, deren Kinder vor den Ferien in die 9. und 10. Klasse versetzt wurden, resignierten zähneknirschend. Sie schrieben ihre „Eingaben“ an DDR-Staatschef Honecker oder ihre Bischöfe zur Beruhigung des eigenen Gewissens.

Man will den Kindern nicht die Zukunfts-Chancen verbauen, weil man aus eigener Erfahrung weiß, wie diejenigen schikaniert werden, die statt zur staatlichen Jugendweihe zur Konfirmation oder Kommunion gehen. „Und so viele Lehrstellen wie nötig wären, um unsere Kinder unterzubringen, hat die Kirche ja auch nicht“, sagte eine Mutter von drei Kindern. » weiter … «