Tagebuch eines Babys – Was ein Kind sieht, spürt, fühlt und denkt

29. April 2010 | 0 Kommentare

Der bekannte amerikanische Professor für Psychiatrie und für Psychologie macht den Versuch, die Welt eines Babys und Kleinkindes in verschiedensten Altersstufen, von 6 Wochen bis zu 4 Jahren, wiederzugeben. Zuerst besteht sie in erster Linie aus Gefühlen, dann zusätzlich aus Gedanken, woran sich Worte und schließlich Geschichten anschließen.

Das Tagebuch läßt das fiktive Baby und spätere Kleinkind Joey einzelne Situationen selber erzählen, bzw. – besser ausgedrückt – seine Gefühle, Wahrnehmungen, Beziehungen, Gedanken und Worte in der lyrisch anmutenden Sprache des Autors zu Wort kommen. Anschließend erläutert er die Abschnitte des Tagebuchs anhand neuer wissenschaftlicher Kenntnisse der frühen Kindheit sowie eigener Beobachtungen und Forschungsarbeiten. Dazu einzelne Beispiele:

Joey, 6 Wochen alt, ist gerade aufgewacht. Er schaut längere Zeit auf den Widerschein eines Sonnenstrahls an der Wand neben seinem Bett. Er „schreibt ins Tagebuch“: Ein Stück Raum leuchtet dort drüben. Ein sanfter Magnet zieht an und hält fest. Der Raum erwärmt sich und wird lebendig. In seinem Inneren beginnen Kräfte sich langsam tanzend umeinander zu drehen….  Wir erfahren, daß es für Joey „draußen“ keine unbelebten Dinge gibt. Der Sonnenstrahl ist für ihn lebendig. Er ist ein „Spiel von Kräften“ und scheint im Kreise zu tanzen. » weiter … «

Moderne Väter – Weder Waschlappen noch Despot

29. April 2010 | 0 Kommentare

Der Autor ist Theologe und Rektor des Martin Buber Seminars sowie Vater zweier Kinder. In einem weniger als hundert Seiten umfassenden Taschenbuch gibt er in der Reihe „Kurz und Bündig“ einen für Laien leicht verständlichen Überblick zum Thema „Moderne Väter“.

Er wendet sich gegen zwei gesellschaftliche Strömungen: zum einen, daß Väter für die Erziehung von Kindern, insbesondere wenn sie noch klein sind, überflüssig sind und diese allein oder vor allem Sache der Mütter ist. Ebenso widerspricht er Tendenzen, Väter quasi als zweite Mütter an der Erziehung beteiligen zu wollen. Denn Väter haben als Bezugs- und Erziehungspersonen eine hohe Bedeutung für Kinder, aber eben in weitgehend anderer Weise als Mütter. » weiter … «

Das weibliche Gehirn – Warum Frauen anders sind als Männer

29. April 2010 | 0 Kommentare

Dieser Bestseller der amerikanischen Hochschullehrerin für Neuropsychiatrie in San Francisco räumt gründlich mit der immer noch populären Ansicht auf, zwischen Frauen und Männern gäbe es neurologisch und in fast allen anderen Bereichen, abgesehen von den Fortpflanzungsfunktionen und körperlichen Abweichungen, keine von der Natur vorgegebene Unterschiede. Wo vorhanden, seien sie lediglich durch Einflüsse von Erziehung und Kultur entstanden. Ohne letztere zu leugnen, sieht die Autorin in ihrer Überbetonung eine Verleugnung der Natur der Frau. Sie „beleidigt damit letztlich die Frauen“ und „unterschätzt … auch die gewaltigen, geschlechtsspezifischen Stärken und Begabungen des weiblichen Gehirns.“ (S. 243/4)

Männer und Frauen verarbeiten Reize nicht in gleicher Weise. Beispielsweise haben die Gehirnzentren für Sprache und Hören bei Frauen elf Prozent mehr Nervenzellen als bei Männern. Ein wesentlicher Bereich bezüglich Gefühle und Erinnerungen, der Hippocampus, ist bei Frauen ebenfalls größer. Die Autorin sieht im weiblichen Gehirn die einzigartigen Fähigkeiten der sprachlichen Flexibilität, des differenzierten Ausdrucks von Gefühlen, des Einfühlungsvermögens in andere sowie der Milderung von Konflikten. Das brachte ihnen in der Evolution Vorteile zur Selbsterhaltung und zum Schutz ihrer Kinder. Männer haben andere Begabungen. » weiter … «

Meves, Christa: Geheimnis Gehirn – Warum Kollektiverziehung und andere Unnatürlichkeiten für Kleinkinder schädlich sind.

16. März 2010 | 0 Kommentare

Menschen unterliegen, so die Autorin, in den ersten Lebensjahren vergleichbaren Naturgesetzen wie höhere Tiere. So ist ihr genetischer Bauplan mit dem der Schimpansen zu 98 % gleich. Beide brauchen mütterliche Zuwendung und Anregungen. Es gibt Parallelen in der Hirnentwicklung von Menschen und Ratten sowie Affen, wenn frühe massive Trennungen zwischen Mütter(tieren) und Kleinkindern bzw. Jungtieren auftreten. Dadurch entstehen weniger synaptische Verbindungen zwischen den Nervenzellen der betreffenden Gehirne und es kann in ihnen vermehrt zu Zelltod sowie Aktivitätsmangel im limbischen System kommen. Daraus resultieren körperliche, emotionale und kognitive Defizite, die später kaum mehr zu beheben sind.

Die Autorin geht vom Triebmodell aus und stellt die Entwicklungen des Nahrungs-, Bindungs- Selbsterhaltungs- und Sexualtriebs in den ersten Lebensjahren ins Zentrum ihrer Darlegungen. In all diesen Bereichen bieten wir heute den Kindern nicht die Bedingungen, die sie für eine gedeihliche Entwicklung brauchen, mit negativen Folgen für das mögliche Potenzial des Gehirns. Der Trend zu baldigem Abstillen, einem frühen Zerreißen der kontinuierlichen Mutter – Kind – Beziehung etwa durch Fremdbetreuung in Kinderkrippen, mangelnden Selbstbehauptungs- und Expansionsmöglichkeiten unter dem Schutz mütterlicher Rückversicherung sowie fehlenden Identifizierungsmöglichkeiten mit dem gleichgeschlechtlichen und angemessener Hinwendung zum gegengeschlechtlichen Elternteil sind einige Beispiele, welche die Autorin als Mißstände anprangert. Sie sieht die geschätzten vier Millionen Depressive in Deutschland weitgehend als Folgen dieser fehlgeleiteten gesellschaftlichen Entwicklung an. Im technischen Zeitalter ist es dringend notwendig, zu erkennen, daß Kinder keine Maschinen nach unserem Willen sind und daß wir „bei der Erziehung der Kinder nicht alles machen dürfen, … was uns Erwachsenen zweckdienlich erscheint“ S. (247). Die Folgen sind eine starke Schwächung unserer Gesellschaft einschließlich seiner Wirtschaftskraft.

Aber es besteht die Hoffnung, daß die Gehirnforschung zunehmend Beweise für diesen Irrweg liefern. Ältere Hirnregionen, etwa das limbische System, in dem Schaltungen der Gefühle stattfinden, haben zunächst Priorität in der frühen kindlichen Entwicklung und bedürfen zu ihrer Entfaltung zuverlässiger mütterlicher Zuwendung. Dabei ist für die emotionale Entwicklung und Bindungsfähigkeit das in den ersten Lebensjahren gelegene Zeitfenster zu beachten, denn später können die entsprechenden Verschaltungen zwischen den Neuronen nicht mehr genügend ausgebildet werden.

Die Autorin rät den Eltern, ihr Kinder in den ersten drei Lebensjahren nicht ohne Not in fremde Hände zu geben. Das zuverlässige Zusammensein mit seinem Kleinkind ist im Übrigen nicht nur eine Pflicht, sondern vor allem ein Gewinn. Denn wenn die Mütter „die Lust gepackt hat, ihnen dabei singend, spielend, sprechend, vormachend und später auch vorlesend zu helfen, dann werden sie neu entdecken, was für ein Kunstwerk ihnen da in die Wiege gelegt ist.“ (S. 277)

Ohne daß die Leser in allen Punkten die gesellschaftspolitische Sicht der Autorin übernehmen müssen, werden ihre engagierten und kompromißlosen Ausführungen zum Wohle der Kinder und den dafür notwendigen Bedingungen ihnen Anregungen und Gewinn bringen.

Burghard Behncke

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit

Greenspan, Stanley I./ Shanker, Stuart G.: Der erste Gedanke – Frühkindliche Kommunikation und die Evolution menschlichen Denkens

26. Februar 2010 | 0 Kommentare

Die Autoren legen ein wissenschaftliches Werk vor, das hohe Ansprüche an die Leser stellt. Der Kern ihrer Aussagen ist, daß Affekte und Emotionen wesentliche Grundlagen für die gesamte kindliche Entwicklung bilden. Auf diese aufbauend entstehen der erste Gedanke bis hin zu abstrakten kognitiven Leistungen, symbolisches Denken, soziales Verhalten, Kreativität und Persönlichkeit.

Die Autoren beschreiben sechzehn Stufen des emotionalen und intellektuellen Wachstums von der Geburt bis spät ins Erwachsenenalter hinein, in welchen die enge Verzahnung zwischen Emotionen und Verstand deutlich werden. In diesem Zusammenhang sind gerade die ersten Lebensjahre von hoher Bedeutung. Erfahren Säuglinge und Kleinkinder insbesondere von ihren Müttern Fürsorge, Liebe und Verständnis sowie Einfühlung in ihre Bedürfnisse und Gefühlswelt, so haben sie beste Voraussetzungen, die Stufen erfolgreich zu durchlaufen.

Ein Bogen der Evolution wird vom Rückblick auf die funktional/emotionale Entwicklung der Primaten über die frühesten Hominiden bis zu modernen Menschen gespannt. Die Autoren vertreten folgende These: durch immer feinfühligere und kommunikativere Erziehung, abgesehen von gelegentlichen Rückschlägen, zunehmend höhere kulturelle, wirtschaftliche und soziale Leistungen hervorgebracht wurden. In der globalisierten Welt stehen wir nun vor neuen Aufgaben. Um zu überleben, muss die Heranbildung solidarischer Gesellschaften gefördert werden. Entsprechende Organisationen und politische Strukturen erfordern die Fähigkeiten, stabile Beziehungen einzugehen, eigenen Gefühlen und die von anderen zu verstehen sowie reflektierend zu denken. Diese wichtigen Eigenschaften basieren, so die Autoren, „auf den fürsorglichen Beziehungen zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen und entstehen nur in stabilen, sicheren Familien, die in sicheren, gut organisierten Gemeinschaften leben.“ (S. 447) Hierauf sollte, auch mit geeigneten Unterstützungsmaßnahmen, mehr Nachdruck gelegt werden. Frühe Fremdbetreuung, etwa in Kinderkrippen, sehen sie als fragwürdig an. Falls Familien geschwächt werden und nicht einfühlsame frühkindliche Erziehung in Zukunft Raum gewinnt, besteht eine ernste Gefahr für ein gedeihliches Zusammenleben in unserer Welt.

In breiter Streuung wird auch auf die Entwicklung von Sprache und Intelligenz, Autismus sowie die Entwicklung sozialer Gruppen eingegangen. Das Buch umfaßt 450 Seiten, ist nicht leicht zu lesen, aber bedeutsam in seinen Aussagen.

Burghard Behncke

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit